8. Mai 2013 Demmin

Pressemitteilung Greifswald Nazifrei

Erstmalig große Blockaden in Demmin!

Seit nun mehr sieben Jahren mobilisieren die NPD und neonazisitische Gruppierung aus MV zu einem „Trauer“-Marsch am 8. Mai nach Demmin. Dieses Jahr gelang es einem breiten, antifaschistischen Spektrum zwei Blockaden in Demmin zu organisieren. Die 500 Teilnehmer_innen protestierten friedlich gegen den geschichtsrevisionistischen Marsch der Neonazis, unter ihnen auch zahlreiche Greifswalder_innen.

Schon bei der Anreise der Busse der Gegendemonstranten_innen aus verschiedenen Städten kam es zu Polizeikontrollen, bei denen die Busse und auch die persönlichen Sachen der Mitreisenden durchsucht wurden. Dieser erste Versuch der Einschüchterung und Hinhalten seitens der Einsatzleitung ist eine unangemessene Einschränkung der Versammlungsfreiheit. Die Busse wurden darauf folgend von der Polizei zum angemeldeten Friedensfest an der Peene geleitet. Nach einem kurzen Aufenthalt zwischen Bühne, Bierwagen und Bratwurstbude schlossen sich mehrere hundert Menschen gegen 18.30Uhr dem historischen Stadtspaziergang durch die Straßen Demmins an. Hier zeigte die Polizei stets Präsenz, aber es kam nicht zu weiteren Vorfällen. Ab der Loitzer Straße, die einen Teil der angemeldeten Naziroute darstellte, stieg das Aufgebot der Einheiten an, um den Zugang zum Kundgebungsort der Nazis zu versperren. In der Loitzer Straße/Ecke Peenestraße und Ecke Nikolaistraße gelang es Antifaschist_innen dennoch spontan aus dem Spaziergang heraus zwei Menschenblockaden zu bilden. Einzelne Polizeibeamt_innen versuchten Teilnehmende durch aggressives Vorgehen, teils durch Tritte und Zerren, darin zu hindern sich auf die Straße zu setzen. Glücklicherweise kam es dabei auf Seite der Blockierenden zu keinen schwereren Verletzungen. Der Sitzblockade an der Peenestraße schlossen sich auch Bürger_innen an. Zwar nahmen die wenigsten auf der Straße Platz, dennoch zeigten sie sich solidarisch mit den Blockierenden. Die zwei Blockaden mit circa 50 und 100 Menschen wurden von der Polizei gekesselt und immer wieder abgefilmt. Damit kam es wieder zum Einsatz von Maßnahmen, die eine Missachtung der Grundrechte darstellt.

Aufgrund der Blockaden wurden die Neonazis auf eine andere Route geleitet, den Zugang zu ihrem Kundgebungsort am Hafen versperrten jedoch weiterhin die Blockaden. Dies änderte sich als sich um circa 21Uhr das Polizeiaufgebot an der Blockade Loitzer-/Peenestraße verstärkt wurde und Polizeiwagen Stoßstange an Stoßstange positioniert wurden, um die Gruppen voneinander zu trennen und die Neonazis zum Hafen zu geleiten. Nur wenige Meter trennten die Blockierenden von den vorbeiziehenden Faschist_innen. Cornelia Schulze, Pressesprecherin von Greifswald Nazifrei, sagt dazu: “Wir verurteilen, dass die Polizei an einem solchen Nadelöhr den Neonazis den Weg geebnet und ein Durchkommen ermöglicht hat. Unser Meinung nach war dies verantwortungslos, der Trauermarsch hätte zum Umkehren bewegt werden müssen!“

Nach dem Rückmarsch der Faschist_innen wurden die Blockierenden längere Zeit festgehalten, obwohl der Weg zu ihren Bussen frei gewesen sein dürfte. „Auch diese Hinhaltestrategie seitens der Polizei ist nicht nachvollziehbar, sie stellt eine weitere Repression dar. Somit zieht sich dieser Faden, der mit den Buskontrollen bei der Anreise begann und mit dem Festhalten der Demonstrierenden nach Abmarsch der Neonazis endete durch den ganzen Tag. Der gesamte Polizeieinsatz ist durch fragwürdige Entscheidungen gekennzeichnet.“ so Cornelia Schulze.

Dennoch sieht sie es als einen erfolgreichen Tag für die Etablierung des Blockadeprinzips als ziviler Ungehorsam gegen Nazi-Demonstrationen. Auch wenn es nicht gelang den Naziaufmarsch bzw. die Kranzniederlegung zu verhindern, kann doch positiv auf den 8.Mai geschaut werden. Die Zusammenarbeit mehrerer Bündnisse ermöglichte es mehr Menschen als in den Vorjahren zu verschiedenen Gegenprotesten zu mobilisieren. Daran sollten und werden wir anknüpfen! Egal, ob in Demmin, Greifswald oder anderswo.

Wir werden nicht aufhören gegen geschichtsrevisionistische Einstellung auf friedliche Weise anzukämpfen!

Keinen Fußbreit den Faschist_innen!

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Moin Greifswald!

Erstmalig seit einigen Jahren bleibt uns zum 1. Mai dankenswerterweise der übliche „Nazischeiß“ (zumindest in MV) erspart, da ein Aufmarsch von NPD & Co anscheinend nicht geplant ist.

Was uns aber leider nicht erspart bliebt ist der alljährliche ‚Trauermarsch‘ der Nazis am 8. Mai in Demmin, bei dem sie einen Anfang Mai 1945 stattgefundenen Massensuizid der Demminer Bevölkerung zum Anlass nehmen um die Befreiung vom Faschismus in ihrem Sinne umzudeuten.

Um euch über das, was Ende April/Anfang Mai 1945 tatsächlich in Demmin passiert ist und über das, was am 8. Mai 2013 in Demmin passieren soll zu informieren gibt es von uns, dem Bündnis Greifswald Nazifrei eine Infoveranstaltung.

Diese findet am DIENSTAG den 23.4. um 19:30 im Köppenhaus (Bahnhofstrasse) statt.

Wir wollen, dass sie auch in Demmin nicht ungestört ihre menschenverachtende Propaganda verbreiten können und werden deshalb genau wie im letzten Jahr gemeinsam mit Bussen nach Demmin reisen um unseren Protest auf die Straße zu tragen. Weitere Informationen erhaltet ihr in den kommenden zwei Wochen hier auf unserem Blog und in den ’sozialen‘ Netzwerken.

Wir sehen uns!

interessante Informationen:
Aufruf über die Hintergründe des Naziaufmarsches in Demmin findet ihr hier:
http://demminnazifrei.blogsport.de/aufruf/